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Agrosprit ist Grünfärberei
Agrosprit ist Grünfärberei

26.05.2010 | David Petersen

Hannover, 16.05.10 – Greenpeace Hannover machte am Autofreien Sonntag auf die Urwaldzerstörung durch Agrosprit in Diesel und Benzin aufmerksam.

Deutschland braucht nicht weitere Kraftstoffe, sondern Autos, die viel weniger verbrauchen!

Der Klimawandel und der Verlust der Artenvielfalt sind eine der zentralen ökologischen Herausforderungen unserer Zeit. Auch die Politik hat dies erkannt, bisher aber nur zögerlich und unzureichend reagiert. Im Falle der Agrotreibstoffe handelt sie gar kontraproduktiv.

Greenpeace Hannover nutzte daher den Autofreien Sonntag um auf diese Problematik aufmerksam zu machen. Bei schönsten Wetter konnten so dann auch viele interessante Gespräche mit Passanten geführt und über 1000 Flyer verteilt werden. Das Aktionsbild zog dabei die Augen der Erwachsenen und Kinder ebenso auf sich, wie das der Presse. Die Palmöl-Lobby versuchte nämlich immer wieder hartnäckig dem schwarzen Diesel-Fahrzeug mit seinem Agrosprit einen grünen Anstrich zu verschaffen. Doch zwei Schautafeln daneben deckten auf, dass Agrosprit alles andere als „grün“ und nachhaltig ist.

Greenpeace fordert daher:
• Die komplette Abschaffung der Biokraftstoffquote. Agrotreibstoffe sind weder nachhaltig, noch tragen sie zum Klimaschutz bei.
• Ein sofortiges Ende der Abholzung aller noch intakten Urwälder. Eine stärkere finanzielle Unterstützung durch die Bundesregierung ist nötig, um Abholzmoratorien umzusetzen.
• Das Etablieren von strengen und verbindlichen Nachhaltigkeitsstandards für die Produktion von Agrosprit, Bioenergie sowie Lebens- und Futtermittel in der EU.



++++ Hintergrund ++++
Urwald im Tank
Hierzulande muss dem Diesel aufgrund der Beimischungsquote rund 7% Agrosprit zugesetzt werden, aber die dazu benötigte Menge kann nicht bei uns produziert werden. Nach Erhebungen von Greenpeace aus dem Jahr 2008 stammen schon jetzt ca. 20% des Agrosprits aus nicht heimischem Raps, sondern aus Soja.
Der Import des neuen Exportschlagers aus Ländern wie z.B. Argentinien oder Indonesien ist die Folge. Um Anbauflächen für Soja oder Palmöl zu gewinnen, werden dort oftmals großflächig Urwälder, artenreiches Grasland oder Feuchtgebiete zerstört. Doch gerade Urwälder sind für unser Klima unverzichtbar und zudem ein großer CO2-Speicher.

Bislang wird nur ein kleiner Prozentsatz von Soja und Palmöl zur Nutzung von Agrosprit verwendet. Durch die Förderung dieses Kraftstoffes in und außerhalb Europas wird der zerstörerische Anbau von Agrosprit aber weiter angeheizt, weil immer mehr Anbauflächen nötig sind. Beispielsweise plant die Indonesische Regierung mindestens 10 Millionen Hektar weitere Ölpalmenplantagen anzulegen (zurzeit 6 Mio. ha).

Nahrungsmittel im Tank
Agrosprit zerstört nicht nur Klima und Urwälder, sondern birgt auch fatale soziale Folgen wie Hungerkrisen. Denn die landwirtschaftliche Nutzfläche unseres Planeten ist begrenzt und wird zukünftig vorrangig für die Produktion von Nahrungsmitteln benötigt. Durch den Anbau von Energiepflanzen wird daher eine Flächenkonkurrenz aufgebaut, die schon jetzt große gesellschaftliche Probleme verursacht. Laut einer Studie der Weltbank gehen etwa 75% des Preisanstieges bei Lebensmitteln auf das Konto des pflanzlichen Treibstoffes.
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