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Dieselschweine in Hannover
Dieselschweine in Hannover

13.11.2007 | Tonja Mannstedt

Im Juli 2003 ging die Schweinefamilie zum zweiten Mal groß auf Tour. In 30 Städten wiesen drei, zu Dieselschweinen umgebaute Fahrzeuge der Marken Lupo, Volkswagen und Mercedes auf die Gefahr des Dieselrusses hin. Auch in Hannover machte die Schweinefamilie Halt. Anhand eines mit einem Dieselrußfilter nachgerüsteten Mercedes demonstriert Greenpeace, dass Dieselrußfilter in Fahrzeugen auch nach 90.000 Kilometern noch optimal funktionieren. Und dazu die Gesundheit schonen.

Hintergrund
Dieselfahrzeuge werden in Deutschland immer populärer. Bis zum Jahr 2005 dürfte ihr Neuwagen-Anteil auf 50 Prozent ansteigen. Doch nur ein geringer Teil von ihnen besitzt einen Dieselrußfilter. Dabei ist Dieselruß gefährlich und kostet Leben. Die sehr feinen Partikel gelangen über die Atemwege in die Lunge und von dort in die Blutbahn. Dadurch verursachen sie schwerwiegende Krankheiten. Tausende von Menschen leiden heute an unterschiedlichsten Krankheiten durch Dieselruß in der Luft.

Aus Kostengründen weigern sich die Autohersteller bislang, Dieselrußpartikelfilter serienmäßig in ihre Fahrzeuge einzubauen oder Altfahrzeuge nachzurüsten. Dabei ist der Einsatz von Dieselrußfilter problemlos möglich. Greenpeace fordert daher seit Herbst 2002 die Automobilindustrie auf, alle neuen Diesel-Pkw sofort mit Rußfiltern auszustatten.

Dieselruß-Tour 2003

Zwei Monate lang reiste die Dieselschwein-Truppe unermüdlich durch 30 deutsche Städte. Vor Automobilzentralen, Autohäusern und in Stadtzentren, wie am 21. August bei uns in Hannover - überall waren die drei Dieselschweine und der von Greenpeace umgerüstete Mercedes C-220 CDI T ein Hingucker.

Vormittags standen wir mit der Schweinefamilie vor zwei Autohäusern von Volkswagen und Mercedes an der Podbielski Straße. Mit dem Mercedes-Händler kam es zu einer angeregten Diskussion. Denn auf dem Mutterschwein, dem Mercedes-Benz, war zu lesen: Kaufen Sie keinen Diesel ohne Rußfilter.

Vor dem Volkswagen-Autohaus breiteten wir ein Transparent mit dem Schriftzug Dieselruß macht Krebs - Die Autoindustrie macht mit aus. Vorbeifahrende Autofahrer und Passanten erfuhren von der Gefahr von Dieselfahrzeugen ohne Partikelfilter.

Wenn ich groß bin, möchte ich kein Dieselschwein sein. Das wünschte sich das Dieselferkel, der smart. Er steht zusammen mit dem 3-Liter-Lupo von Volkswagen sowie der Mercedes C-220 CDI T exemplarisch für unzählige Dieselautos, die ohne Rußfilter auf unseren Straßen unterwegs sind.

In der Innenstadt von Hannover hatten wir nachmittags am Kröpke die Möglichkeit, Passanten über die Auswirkungen und Folgen des Dieselrusses in der Luft zu informieren. Denn niedliche Ferkelohren und Kringelschwänzchen täuschten nicht darüber hinweg, wie gefährlich die Emissionen dieser Fahrzeuge für die Gesundheit sind.

Auf dem vier Meter großen Banner fordeten wir Menschen zum Handeln auf: Schlechte Nachricht: Dieselruß erzeugt Krebs. Gute Nachricht: Sie können etwas dagegen tun.

Am Kröpke konnten sich Passanten von der einfachen, aber hocheffizienten Technik überzeugen.

Sie hatten auch die Möglichkeit, Strafanzeige gegen DaimlerChrysler und Volkswagen wegen des Verdachtes der Gesundheitsgefährdung durch Dieselrußpartikel zu stellen. Rund 130 Strafanzeigen haben wir am 21. August gesammelt.

Dass es auch anders geht, zeigt Greenpeace mit Hilfe eines nachgerüsteten Fahrzeugs. Zusammen mit dem Rheinisch-Westfälischen TÜV in Essen wurde ein handelsüblicher Mercedes C-220 CDI T mit einem gängigen Rußfilter ausgestattet. Tests beweisen: Auch nach 90.000 Kilometern arbeitet der Filter noch einwandfrei. Nur ein Fünftausendstel der ursprünglichen Rußmenge verläßt den Auspuff.

Mit Protestaktionen und Sammeln von Strafanzeigen gegen die Konzernchefs von Volkswagen und Mercedes wollen wir darauf aufmerksam machen, dass Dieselruss gefährlich ist. Die feinen Partikel aus der Luft verursachen Krankheiten wie Krebs, Asthma und Allergien. Das Umwelt- und Prognoseinstitut Heidelberg schätzt, das pro Jahr ca. 8.000 Menschen allein an Lungenkrebs sterben.

Vor allen Kinder sind betroffen: Denn Autoabgase treten bis zu einer Höhe von 1,5 Metern besonders häufig auf. Hinzu kommt, dass Kinderlungen empfindlicher und durchlässiger als Erwachsenenlungen sind. Sie benötigen also noch mehr Schutz vor den schädlichen Dieselrusspartikeln!

Greenpeace misst Dieselruß!
Um Erkenntnisse über die Schädlichkeit von Dieselrusspartikeln in Stadtzentren zu erhalten, hat Greenpeace im Sommer 2003 an verschiedenen Straßenkreuzungen Messboxen angebracht. Damit sollten die Dieselruß-Mengen erfaßt werden, die tatsächlich von Fahrzeugen ausgestoßen werden. Greenpeace installierte insgesamt 16 Messboxen in neun deutschen Städten: Auch in Hannover stellten wir an einem Verkehrsknotenpunkt einen Messkasten der Firma UMEG auf, um den Grad der Belastung zu erfassen.

Ergebnis
Wir haben die Aufmerksamkeit der Bürger in Hannover auf die Problematik der Dieselrußpartikel gelenkt und ihnen die Folgen näher gebracht.

Die Messergebnisse wurden am 8. September 2003 in Frankfurt kurz vor Eröffnung der IAA veröffentlicht. Sie gaben Aufschluss über die im Bundesemissionsschutz festgelegten Grenzwerte von Dieselrusspartikeln. Ein Teilerfolg für Greenpeace: Automobilkonzerne wie Volkswagen, Mercedes und Ford kündigten auf der IAA Rußpartikelfilter an, allerdings nur in wenigen Modellen. Vorgesehen ist ein Filter demnach vor allem in schweren Limousinen, die sonst nicht die sogenannte Euro-4-Abgasnorm erfüllen würden.
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