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enercity – Positive Energie ?

14.04.2008 | Andreas Ehli

Am Montag, den 14. April 2008 fand in den Räumen der Stadtwerke Hannover AG eine Podiumsdiskussion mit Pressevertretern statt. Das Thema lautete: enercity – Positive Energie ? - 300 Millionen Euro für neues Kohlekraftwerk.

Die Stadtwerke Hannover AG plant, sich mit ca. 300 Millionen Euro an der Erweiterung eines Steinkohlekraftwerks bei Grosskrotzenburg, nahe Hanau im Bundesland Hessen zu beteiligen.

Das Kohlekraftwerk „Staudinger“ zu erweitern, ist für den Klimaschutz das völlig falsche Signal. Wer heute weiter auf Kohle setzt, zementiert über Jahrzehnte eine klimaschädliche und nicht zukunftsfähige Energieversorgung. Ein neues Kraftwerk läuft 40 bis 50 Jahre lang. Allein das Kraftwerk Staudinger wird nach der geplanten Erweiterung um den Block 6 pro Jahr statt bisher 4,4 Mio. Tonnen CO2 zukünftig 7,5 bis 8 Mio. Tonnen CO2 in die Atmosphäre emittieren. Müsste man das Treibhausgas auf der Straße abtransportieren, würde Tag für Tag eine Kolonne von ca. 850.000 Kleintransportern aus dem Kraftwerk rollen. Der Bau/die Planung von Staudinger – Block 6 muss gestoppt werden, er ist mit den deutschen Klimaschutzzielen unvereinbar.

In Deutschland sollen 25 neue Kohlekraftwerke gebaut werden, die nach Fertigstellung das Klima insgesamt mit jährlich 140 Millionen Tonnen Kohlendioxid belasten werden. Viele dieser Kraftwerke sind überdimensioniert und weisen einen schlechten Wirkungsgrad auf. Auch das Kohlekraftwerk „Staudinger“ hat nur einen Gesamt-Wirkungsgrad von 46 Prozent.

Greenpeace will den Ausbauplan in dieser Form verhindern. Die Zahl der geplanten Anlagen ist viel zu
hoch und einzelne Kraftwerke sind überdimensioniert. Die Umweltorganisation setzt auf kleine dezentrale Kraftwerke mit so genannter Kraft-Wärme-Kopplung. Bei dieser hoch effizienten Technik wird nicht nur der erzeugte Strom genutzt, sondern auch die dabei produzierte Wärme. Daher fordert Greenpeace, bei der Planung dem Klimaschutz und dem konsequenten Ausbau von Erneuerbaren Energien absoluten Vorrang einzuräumen.

Gemeinsam mit den Stadtwerken Hannover und Pressevertretern diskutierte die Greenpeace-Gruppe Hannover, ob eine Investition von 300 Millionen Euro in das Steinkohlekraftwerk im Sinne der Bürger und Anteilseigner der Stadtwerke und eines nachhaltigen Klimaschutzes ist.
An der Podiumsdiskussion nahmen teil:
Herr Harald Noske Technische Direktor der Stadtwerke Hannover,
Herr Henning Dick, Energieexperte der Greenpeace-Gruppe Hannover,
Herr Andreas Ehli, Energieexperte der Greenpeace-Gruppe Hannover,
Frau Ulrike Wach, Energieexpertin der Greenpeace-Gruppe Hannover

Ergebnis der Diskussion war, dass Basis für die Investitionsentscheidung der Stadtwerke die Unterstellung von steigendem bzw. gleichbleibendem Strombedarf ist. Greenpeace wies darauf hin, dass für effektiven Klimaschutz auch der Strombedarf gesenkt werden muss. Dies ist durch einfache Energiesparmaßnahmen jedes Bürgers, sowie insbesondere durch Investitionen der Industrie in Effizienz ihrer Prozesse, möglich. Durch den zu erwartenden weiteren Anstieg der Strompreise wird ebenfalls ein sinkender Bedarf entstehen. Greenpeace verwies auf den Klimaschutz Plan B, welcher Szenarien für die Energieversorgung der Zukunft aufzeigt und dabei weitgehend ohne den Neubau von Kohlekraftwerken auskommt.
Sie finden den Klimaschutz Plan B im Internet unter http://www.greenpeace.de/themen/klima/

Derzeit rechnet sich die Stromerzeugung mit Kohle nur, weil Kohlekraftwerke im Zuge des Emissionshandels noch den Großteil der Verschmutzungsrechte kostenlos zugeteilt bekommen und sie gegenüber weniger umweltschädlichen Gaskraftwerken privilegiert werden. Die kostenlose Zuteilung von CO2-Emissionszertifikaten wird ab 2013 beendet. Dann müssen Kraftwerksbetreiber aller Voraussicht nach die Verschmutzungsrechte vollständig ersteigern, was zu einer weiteren Verteuerung des Kohlestroms führen wird.

Investitionskosten für Kohlekraftwerke sind im Vergleich zu Gaskraftwerken gleicher Leistung doppelt so hoch. Weiterhin wird die weltweite Stahlknappheit und die hohe Nachfrage im Kraftwerkssektor zu einer drastischen Verteuerung beim Bau von Kohlekraftwerken führen.
Enercity geht somit das Risiko ein, dass sowohl der Bau eines solchen Kraftwerkes sich verteuern könnte, als auch dass der Strom aus dem Kraftwerk zukünftig teuer wird als Strom aus erneuerbaren Energien.

Zentrales Anliegen von Greenpeace ist es weiterhin, die geplante Investition der Stadtwerke breiten Kreisen der Bevölkerung und insbesondere den Kunden von enercity bekannt zu machen um diesen die Möglichkeit zum Protest zu geben.

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