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Für eine nachhaltige & faire Landwirtschaft!
Für eine nachhaltige & faire Landwirtschaft!

10.11.2012 | David Petersen

Etwa 2.000 Menschen demonstrierten heute in Hannover für eine zukunftsfähige Landwirtschaft in Niedersachsen. Greenpeace Hannover war auch dabei und hat mit Bannern vor allem das umstrittene Schul-Modellprojekt HannoverGEN kritisiert. Ein Kommentar zur Landwirtschaftspolitik in Niedersachsen.

KOMMENTAR - Die Landesregierung rühmt sich gerne damit, dass Niedersachsen das Agrarland Nr.1 sei. Doch das ist nur die halbe Wahrheit, die letztlich über die tatsächlichen Probleme in unserer Landwirtschaft hinwegtäuschen soll. Die andere Wahrheit ist, dass Niedersachsen leider ein Schlusslicht ist. Ein Schlusslicht, insbesondere wenn es um Nachhaltigkeit geht. Denn die Landesregierung hat bisher vor allem auf Intensivlandwirtschaft und Agrarfabriken, Massentierhaltung und Mega-Schlachthöfe gesetzt.
 
Eine neue Landesregierung muss endlich die Weichen neu stellen: hin zu einer nachhaltigen und fairen Landwirtschaft.
 
Dazu gehört auch, dass die einseitige Förderung der Gentechnik in der Landwirtschaft (sogenannte Agro-Gentechnik) beendet wird. Gentechnik hat nichts auf dem Acker zu suchen, die Mehrheit der Bevölkerung lehnt die Agro-Gentechnik klar ab und das aus guten Gründen. Es ist unbegreiflich, dass sich diese Landesregierung dennoch so massiv für diese Risikotechnologie einsetzt. Wobei... Haben Sie schon einmal in das Wahlprogramm der Parteien geschaut? Nun, besonders interessant ist der Umstand, dass im Wahlprogramm der CDU die Agro-Gentechnik mit keinem einzigen Wort erwähnt wird. Statt dessen steht dort lediglich, dass man die Agrarforschung weiter stärken möchte. Doch was wird darunter genau verstanden? Agrarforschung ist nicht nur Gentechnik. Eigentlich... Doch wenn es scheinbar nach der Landesregierung geht, dann ist unser Heil nur in der Agro-Gentechnik zu finden.
 
Genau in diese Stoßrichtung weist jedenfalls das umstrittene Schul-Modellprojekt HannoverGEN. Das Konzept mag vielleicht auch hier auf den ersten Blick plausibel erscheinen und grundsätzlich ist auch nichts gegen einen modernen Bio-Unterricht zu sagen, zu dem auch ggf. die Nutzung moderne Labore gehören kann. Doch beim genaueren Hinschauen wird deutlich, dass HannoverGEN seinen eigenen Ansprüchen nach Ausgewogenheit und Sachlichkeit überhaupt nicht gerecht wird (u.a. durch einseitiges Unterrichtsmaterial). Statt dessen entsteht unweigerlich der Eindruck, dass es sich um einen skandalösen Versuch der Landesregierung handelt, mehr Akzeptanz für die Agro-Gentechnik in Niedersachsen zu schaffen.
Nach einer internen Projektskizze ist sogar möglicherweise eine Ausweitung auf 50 niedersächsischen Schulen geplant. Die Kosten werden demnach auf mindestens 13 Mio. Euro veranschlagt.
Bisher haben sich allerdings die Verantwortlichen um eine Stellungsnahme ebenso gedrückt, wie um eine klare Aussage, was es mit einer möglichen Ausweitung auf sich hat. Ganz im Gegenteil: Eine Entscheidung darüber wurde auf das Frühjahr, also nach der Landtagswahl, vertagt und das Projekt HannoverGEN entsprechend verlängert.
 
Diese einseitige Fokusierung und Verkürzung zu Gunsten der Agro-Gentechnik ist nicht nur fatal, sondern schlichtweg falsch. Wir müssen für eine zukunftsfähige Landwirtschaft endlich grundlegende Veränderungen vornehmen, statt am alten System weiter herumzudoktern. Dazu gehört auch die Grundsatzfrage, wie wir zukünftig Landwirtschaft betreiben wollen. Wollen wir weiterhin Technologien fördern, die unsere Böden zerstören, die den teils massiven Einsatz von giftigen Pestiziden und künstlichen Dünger mit sich bringt? Wollen wir eine Risikotechnologie wie die Gentechnik, die letztlich nur neue wirtschaftliche Zwänge und Abhängigkeiten schafft oder gar verstärkt?
Wir sagen: Nein! Wir wollen diesen Irrsinn jedenfalls nicht.
 
Sicher, dass wird uns alle und insbesondere die Landwirte vor Herausforderungen stellen – auch im Hinblick der entgegenstehenden Finanzinteressen aus der Argoindustrie. Umso wichtiger ist es aber heute, dieses gemeinsame argarpolitische Zeichen zu setzen. Lasst uns damit anfangen und zugleich die Politik von der Notwendigkeit überzeugen: Für eine bäuerliche Landwirtschaft, eine gesunde Umwelt und Lebensmittel, die ihren Namen auch verdient haben.
 
 

Hintergrund: HannoverGEN

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