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HannoverGEN beenden, NiedersachsenGEN stoppen!
HannoverGEN beenden, NiedersachsenGEN stoppen!

13.10.2012 | David Petersen

Greenpeace Hannover begrüßte am Freitag die Delegierten des CDU-Landesparteitages in Celle mit einem großen Banner. Damit forderten sie den Stopp der umstrittenen Schulprojekte HannoverGEN / NiedersachsenGEN, sowie eine klare Stellungsnahme der CDU ein.

Schon in der Vergangenheit hatte Greenpeace Hannover immer wieder massive Kritik an dem Modellprojekt HannoverGEN geäußert. Es wurde 2008 vom damaligen Ministerpräsidenten Christian Wulff (CDU) initiiert. Dafür wurden in vier hannoverschen Schulen entsprechende Gentechnik-Labore eingerichtet, extra Lehrerfortbildungen durchgeführt und entsprechende Unterrichtsmaterialien entwickelt (siehe unten "Hintergrund"). Die Gesamtkosten belaufen sich auf über eine Million Euro.

Aufklärung als Deckmantel für einseitige Akzeptanzschaffung?

Der Ansatz von HannoverGEN mag dabei auf den ersten Blick begrüßenswert erscheinen, doch das Schulprojekt wird seinen eigenen Ansprüchen nach Ausgewogenheit, Sachlichkeit und Nicht-Beeinflussung von Schülern nicht gerecht.

Eine umfassende Analyse der Materialien bestätigt, dass die Informationen an vielen Stellen einseitig sind und mit Halbwahrheiten, sowie teils unterschwelligen Manipulationen arbeiten. Kritische Positionen zur Freisetzung von gentechnisch veränderten Pflanzen kommen im Unterrichtsmaterial systematisch zu kurz. Es entsteht daher unweigerlich der Eindruck, dass es sich um einen skandalösen Versuch der Landesregierung handelt, mehr Akzeptanz für die Agro-Gentechnik in Niedersachsen zu schaffen. Ausführliche Informationen finden sich in der Hintergrundstudie (siehe unten).

HannoverGEN beenden, NiedersachsenGEN stoppen!

Greenpeace Hannover befürwortet einen modernen Biologie-Unterricht. Parteipolitik und einseitige Akzeptanzschaffung haben in der Schule allerdings nichts zu suchen!

Im Dezember 2011 hatte Landwirtschaftsminister Gert Lindemann angekündigt, das zweifelhafte Modellprojekt möglicherweise auszuweiten. Die Kosten werden nach internen Unterlagen auf mindestens 13 Millionen Euro veranschlagt. Demnach soll in 50 Schulen ein Gentechnik-Labor eingerichtet werden. Eine endgültige Entscheidung soll es aber erst nach der Landtagswahl 2013 geben.

Wir erwarten daher von der Landesregierung, den verantwortlichen Ministerien und von den Parteien noch vor der Landtagswahl eine deutliche Stellungnahme und Positionierung.

 

Weiterführende Informationen:

Hintergrund: Was beinhaltet HannoverGEN?

  • Thema: Gentechnik / Gentechnik in der Landwirtschaft (Agro-Gentechnik)
  • Zielgruppe: 10. bis 12.Jahrgang (bzw. 13)
  • Vier Stützpunktschulen in der Region Hannover haben vier moderne Gentechnik-Labore (S1-Stufe) eingerichtet bekommen: Wilhelm-Raabe-Schule, Helene-Lange-Schule, IGS Garbsen, Erich Kästner Gymnasium
  • Zwei MedienGENschulen in Hannover haben das Projekt medial begleitet und dafür eine entsprechende Radioausstattung erhalten: Schillerschule, St. Ursula-Schule
  • zahlreiche Lehrerfortbildungen wurden durchgeführt
  • entsprechende Unterrichtsmaterialien, insbesondere zur Förderung der ethischen Bewertungskompetenz wurden entwickelt
  • Die Kosten des Modellprojektes belaufen sich, laut hannovergen.de, auf rund eine Million Euro. Davon stammen 53% aus dem niedersächsischen Landwirtschafts-, Wissenschafts- und Kultusministerium, 44% aus der Stiftung Zukunfts- und Innovationsfonds Niedersachsen und 3% aus der Wirt­schaft. Eine aktualisierte und vollständige Übersicht zu den Gesamtkosten liegt uns leider bisher nicht vor

Die Ausgestaltung und Umsetzung der Projektinhalte liegt in der Hand mehrerer Kooperationspartner:

  • Experimentieren: Institut für Pflanzengenetik der Leibniz Universität Hannover, Verantwortlicher wissenschaftlicher Leiter im Projekt ist Prof. Dr. Hans-Jörg Jacobsen. Er ist Leiter der Abteilung II Pflanzenbiotechnologie am Institut für Pflanzengenetik. Jacobsen ist Befürworter und ein bekannter Lobbyist der Agro-Gentechnik, wie zahlreiche öffentliche Auftritte und seine Mitgliedschaften in diversen Lobby-Verbänden belegen (siehe Hintergrundstudie). Unterstützt wird er von Dr. Wiebke Rathje
  • Wissen vermitteln: Institut für Didaktik der Naturwissenschaften der Leibniz Universität Hannover, verantwortlich ist Prof. Harald Gropengießer, Leiter des Fachgebietes Didaktik der Biologie. Unterstützt wird er von Hendrika von Waveren
  • Bewerten & Integration in den Lehrplan: Institut für Biologie und Umweltwissenschaften der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg, AG Biologiedidaktik. Verantwortlich für diesen Bereich ist die Leiterin der AG, Frau Prof.'in Dr. Corinna Hößle. Unterstützt wird sie durch Neele Alfs
  • Kommunizieren (Außendarstellung): n-21: Schulen in Niedersachsen online e.V. Hannover.  Verantwortlich ist Natalie Deseke. Die Betreuung erfolgt u.a. durch Lehrkräfte der zwei sogenannten MedienGENschulen
  • Arbeitskreis Wilhelm-Raabe-Schule: Akteure sind jeweils zwei Biologielehrkräfte der vier Stützpunktschulen

Die Steuerung des Projektes obliegt dem Niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung (federführend!) sowie dem Niedersächsischen Kultusministerium.

 

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